Eine gute Freundin von mir muss überraschend auf Stellensuche gehen. Ich weiss aus Erfahrung, wie aufreibend und zermürbend das sein kann und überlege mir, wie ich sie unterstützen könnte. Be water, my friend. Wie bitte? Bruce Lee, der berühmte Kampfkünstler und Schauspieler, sagte 1971 in einem Interview: «empty your mind. Be formless, shapeless, like water. Now you put water into a cup, it becomes the cup. You put water into a bottle, it becomes the bottle. You put water into a teapot, it becomes the teapot. Now water can flow, or it can crash. Be water, my friend. Können uns die Eigenschaften von Wasser im übertragenen Sinn behilflich sein?

Be like water my friendFormlosigkeit – Meditation

Wasser ist formlos. Zugleich passt es sich jeder äusseren Form an. Einem Glas, einem Flussbett, dem menschlichen Körper. Es kann sanfter Frühlingsregen sein, ein stiller Bergsee, eine Sturmfront mit Hagelschlag, Nebel… In der Krise: unser Körper besteht zu einem grossen Teil aus Wasser. Wir können uns oft besser anpassen und verändern, als wir meinen. Vorübergehende Formlosigkeit aushalten. Atmen, nur Jetzt.


Fliessen – in Bewegung sein, Form annehmen

Der Ozean steht nie still. Wasser muss fliessen und wirbeln können, um sich zu regenerieren. In stehenden Gewässern sammeln sich Bakterien und Abfälle. In der Krise: Zu langer Stillstand führt in die Depression. Also physisch wie gedanklich in Bewegung gehen, fliessen, Yoga üben. Unsere Sinne schärfen. So können wir neue Möglichkeiten bemerken, uns neue Gedanken erlauben oder uns gar in unerwartete, günstige Ereignisse hineinbewegen.

 

 

Zerstören – Bewirken, Neues wagen

Wasser lässt sich nicht zusammendrücken, es ist inkompressibel. Dadurch hat es eine ungeheure zerstörerische Kraft, in Tsunamis, Stürmen und Fluten. Wird Wasser in ein abgeschlossenes Gefäss gefüllt und Druck auf eine der Gefässwände ausgeübt, muss das Wasser irgendwo entweichen. Nach diesem Prinzip sind hydraulische Pressen gebaut. So können grosse Lasten gehoben werden. In der Krise: Hindernisse umfliessen, Altes verabschieden, wo nötig, evtl. sogar (im übertragenen Sinn) zerstören. Herausfinden, wo der Druck entweichen kann und muss. Neue, ungewohnte Formen annehmen. Uns nicht erdrücken lassen…Yoga üben.

Bis die nächste Krise kommt. Und dann: repeat. Klingt einfach und ist doch so schwierig. Und das ist vermutlich gut so. Ich werde meiner Freundin also sagen: be water, my friend.

Bruce Lee im erwähnten Interview – Be water, my friend

 

 

Yoga AboYoga Abo

Möchten Sie die Zeitschrift Yoga regelmässig lesen.

Hier können Sie die Zeitschrift Yoga Abo bestellen und Sie verpassen keine Ausgabe.

Schreibe einen Kommentar