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Soziale Selbstfürsorge

Sich neu erfinden

Wer aus seiner Arbeit die ganze Identität und Bedeutung im Leben ableitet, riskiert beim Übergang in den Ruhestand eine Krise. Denn in der zweiten Phase des Erwachsenseins, das dritte Kapitel im Leben, gilt es, neue Werte aufzubauen.

Anton Ladner

Phil Pizzo war Dekan der medizinischen Fakultät der berühmten US-Universität Stanford und gründete nach seiner Pensionierung das Distinguished Careers Institute. Es richtet sich an Erwachsene um die 60 Jahre, die aus ihrem Beruf ausscheiden und herauszufinden versuchen, was sie mit dem Rest ihres Lebens anfangen wollen. Die Absolventen verbringen ein Jahr damit, in einer Gruppe von 20 Teilnehmern zu lernen und sich für die nächste Phase neu zu erfinden. Das ist aber kein gemütliches Plaudern über den Werdegang und die erzielten Erfolge. Denn Phil Pizzo rät den Teilnehmenden, die Karriere zu vergessen; das sei man nicht mehr, das helfe nicht weiter. Für ihn ist dieser Schnitt die Voraussetzung dafür, in einem neuen Lebensabschnitt Sinn und Zweck zu finden – bevor es zu spät ist. Er, Jahrgang 1944, hat vor einem Jahr ein Rabbinatsstudium an der Academy for Jewish Religion in Kalifornien begonnen.

Die Menschen leben eben immer länger. Wer jetzt um 60 Jahre alt ist, hat eine 50-prozentige Chance, 90 Jahre alt zu werden. Mit anderen Worten: Wer mit 65 Jahren in Pension geht, hat noch 20 Jahre, bevor Geist und Körper den stärksten Verfall erleben. Es ist das dritte Kapitel im Leben, Erwachsensein zwei. Da aber nicht mehr die Karriere die Identität definiert, gilt es, für die eigene Bedeutung neue Gründe zu finden. Jeder Übergang ist nämlich von drei Gefühlsphasen geprägt: zuerst Verlust, dann Leere und schliesslich Wiedergeburt. Das wirft den Menschen auf grundlegende Fragen zurück: Wer bin ich? Was ist mein Ziel? Was will ich wirklich? Wer Arbeit, Karriere und Leistung über alles andere stellt, leitet daraus Sinn, Gemeinschaft, Selbstverwirklichung, ein Gefühl der hohen Berufung ab (was früher die Religionen boten). Der heutige Glaube an die Arbeitsidentität bringt den Menschen aber früher oder später aus dem Gleichgewicht – derzeit in der Schweiz die Angestellten der Credit Suisse. Denn das Leben ist kein Aufstieg an die Spitze und Leistung ist nicht das Wesen eines guten Lebens.

Wie kann ein erfülltes Leben aussehen, wenn Arbeit und Karriere nicht mehr im Mittelpunkt stehen? Diese Frage kann man sich schon lange vor der Pensionierung stellen. Eine andere Vorstellung vom guten Leben zu entwickeln führt zu einem Werte-Reset. Das ist eine Wiedergeburt.

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